Experten-Interview mit Försterin Jennifer Plabst

Waldsymbiose

1. Wie lässt sich kommerzielle Waldwirtschaft mit ökologischer
Walderhaltung bzw. -erneuerung vereinbaren?

Aus meiner Sicht lässt sich verantwortungsvolle kommerzielle Waldbewirtschaftung NUR unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte durchführen. Beispiel: Der viel beschworene „Brotbaum Fichte“ bringt nur gutes Geld, solange man die damit einhergehenden Kosten nicht ehrlich mit berechnet. Zum Beispiel für vorzeitige Ernte aufgrund von Sturmwurf oder Schädlingen/Trockenstress, aufwändige Wiederbewaldung kahler Flächen, regelmäßige Käferkontrollen und vieles mehr. Mit wenig Risiko und damit verbundenem geringerem Aufwand für die Pflege und Aufarbeitung von Schäden lässt sich nun mal nur in standortsangepassten, strukturreichen, gesunden Wäldern und damit intakten Ökosystemen wirtschaften. Dazu braucht es aber natürlich gut ausgebildetes und engagiertes Personal in den Betrieben und gute Beratung der privaten Waldbesitzer. Der Arbeitskreis naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) gründet zum Beispiel genau auf diesen wirtschaftlich-ökologischen Zusammenhängen. Kahlschlag und wirtschaften mit einer oder wenigen Baumarten hingegen erfordert zwar weniger Sachkenntnis und Engagement und bringt bei ausschließlicher Betrachtung des Verkaufserlöses mehr Geld, hat aus langfristiger Sicht (wie sie bei der Waldbewirtschaftung eigentlich selbstverständlich sein sollte) allerdings kaum ökonomische Vorteile (von den ökologischen ganz zu schweigen).

Ich möchte dabei noch betonen, dass dies meine persönlichen Ansichten sind und der Wirtschaftende auf der Fläche vielen Einflüssen untersteht, die ihn oft in eine bestimmte Richtung drängen. Seien es Eigentümerinteressen, Tradition, Wildverbiss, Saatgut-/Pflanzenverfügbarkeit und vieles mehr.

2. Inwieweit beeinflusst der Klimawandel den Wald der Zukunft?

Im Zuge des Klimawandels haben jene Wälder einen Vorteil, in denen eine große Vielfalt herrscht – zwischen den Baumarten, aber auch genetische Vielfalt innerhalb der Arten, denn diese sind anpassungsfähiger. Außerdem hat Strukturreichtum (alte und junge Bäume, Totholz etc.) einen positiven Einfluss auf das Waldinnenklima und kann damit gewisse Spitzen bezüglich Trockenheit und Hitze abmildern. Wo diese Vorteile gegeben sind, wird der Wandel möglicherweise gemäßigter ablaufen. Wo nicht standortangepasste, strukturarme Wälder stehen, werden sich die Schäden weiterhin häufen, der Mensch ist umso mehr gefordert, einzugreifen und wieder aufzuforsten. Dabei gilt es, auf eine möglichst große Bandbreite an Baumarten zu setzen, um das Risiko zu verringern („wer streut, rutscht nicht“). Allerdings gestaltet sich die großflächige Aufforstung bei zunehmenden Trockenperioden immer schwieriger, da ja insbesondere die jungen, frisch gepflanzten Bäumchen einen höheren Wasserbedarf haben, da ihre Wurzeln sie noch nicht aus größerer Bodentiefe versorgen können. Ließe man diese Wälder nun in Zukunft unbewirtschaftet, würde in den meisten Fällen eine langfristige, natürliche Sukzession einsetzen – anfangs gäbe es hauptsächlich Kräuter und Sträucher, wie Brombeere oder Holunder, bis sich nach und nach einige Bäume einfinden (voraussichtlich die Arten, die auch vorher da standen, denn deren Samen liegen ja im Boden) und zusätzlich evtl. einige Pionierarten wie Birke oder Vogelbeere. Die vorher da gewesenen Bäume werden wohl wieder absterben, denn für sie sind Standort und Klima ja offensichtlich nicht geeignet. An diesen Stellen geht es dann von vorne los. Eines Tages, in Jahrzehnten oder eher Jahrhunderten wird dort dann vielleicht wieder ein stabiler Wald, wie wir ihn uns vorstellen, aus angepassten Baumarten stehen. Natürlich vorausgesetzt, es herrscht bis dahin kein Klima, bei dem es für Wald zu trocken ist. Möglicherweise wird sich dieser zukünftige Wald auch eher aus niedrigeren Bäumen zusammensetzen.

3. Was ist aktuell die größte Gefahr für den Wald?


Hier müsste man unterscheiden, ob wirklich die Gefahr für den Wald an sich gemeint ist, oder für den Wald, wie wir als Menschen ihn haben und nutzen wollen. Denn für den Wald an sich ist sterben und wieder neu wachsen ein natürlicher andauernder Prozess, bei dem manche Arten auswandern, andere Arten einwandern und sich über Jahrhunderte immer wieder etwas Neues entwickelt.

Allgemein würde ich sagen, ist die zunehmende Trockenheit in oft mehreren aufeinander folgenden Jahren die größte Gefahr für den Wald. denn sie stresst die Bäume so sehr, dass sie in der Folge auch umso anfälliger für an ihnen fressende Insekten oder Pilze sind, die dann eher zum Absterben führen können.


4. Welche Projekte gibt es in der Umgebung zum Wald der Zukunft?

Im Rahmen der Initiative Zukunftswald Bayern am AELF Roth-Weißenburg gibt es eine Reihe von Projekten zum Waldumbau.


5. Glauben Sie, dass Bäume Gefühle haben?

Nein, nicht im menschlichen Sinne.